Einige Überraschungen

Aus 7 werden 14 Tage Nävekvarn - Montag 9. bis Sonntag 22. Mai 2022

Kurz nach 7:00 bringt uns Muck zum Flughafen Kloten. Mit den vorbereiteten Papieren ist das Checkin eine Frage von Sekunden. Ein warmer Kafi mit Gipfeli verkürzt die Wartezeit bis zum Boarding. Der Flug über den Wolken ist ruhig. Wir geniessen die Beinfreiheit neben dem Notausgang.

Nach der Landung in Stockholm Arlanda suchen wir den Bus zur Autovermietung, welche ca. 2 km vom Flughafen entfernt liegt. Der Fussweg in den riesigen Gebäuden ist mit schleppen des Reisegepäcks nicht angenehm. Endlich finden wir den gelben Rentalcar Bus, der zum Platz von Europcar fährt. Nach 160 km und zwei Stunden Fahrt erreichen wir Nävekvarn. Und da steht Odin ohne Masten zwischen vielen Segelbooten auf dem Bock. Noch lange nicht bereit für das Einwassern.

Sandra von Sweden Port Marina hat uns in der Herberge einen Upgrade für ein grösseres Zimmer reserviert. Nach kleinen Einkäufen im Dorfladen geniessen wir den Abend mit Spargeln und Wein. Es bleibt lange Hell. Der Spaziergang über die lange Holzbrücke zu den Schären beschliesst den langen Tag.

Die Zilinderkopfdichtung muss ersetzt werden

Die erste Überraschung kommt am Dienstag. Die angeforderte Prüfung der Einspritzdüsen und Kompression beim Motor wird nachgeholt, weil das Mail vom Februar erst am Freitag gelesen wurde. Alle Einspritzdüsen sind zu ersetzt. Die Verdichtung des 3. und 4. Zylinders ist miserabel. Das Einstellen der Ventile nützt da nichts. Weil die Zylinderkopfdichtung defekt ist muss der Kopf mit allem drum und dran ausgebaut werden. Das 40 kg schwere Teil wird ende Woche über die Leiter gewuchtet und in der Werkstatt neu eingeschliffen.

Die Arbeiten dauern Tage. Wir können unseren Aufenthalt in der Herberge und den Mietwagen bis auf Weiteres verlängern.

Die Masten werden gesetzt

Die zweite Überraschung folgt am Mittwoch. Die Genickwante wurde noch nicht wie gewünscht angepasst. Die Masten können deshalb nicht gesetzt werden. Mit dem Mietwagen fahren wir nach Norrköping zu Skeppa Marin, wo unser Wante gekürzt wird. Nebenbei erledigen wir Einkäufe bei Biltema (eine Mückenlampe) und Hjertmans (verschiedene Beschläge). Beide Läden haben eine grosse Auswahl für Bootszubehör. 

Am nächsten Tag werden die Masten gesetzt und provisorisch gespannt. Über das Wochenende haben wir Zeit um alle Schoten und Leinen einzurichten. Weil es Windstill ist, beschliessen wir auch die Segel anzuschlagen.

Bunkern, Einrichten, Checkliste abhacken

Die dritte Überraschung finden wir beim Einrichten der Genua. Die Rollreffanlage wurde um 180º verdreht montiert. Müssen die Masten mit dem Pneukran wieder gelegt werden, damit die Vorstag gelöst und die Trommel gedreht werden kann? Nein, mit Hilfe der Babystag kann der Grossmast nach vorn gezogen werden, sodass die Vorstag entlastet und ohne Kran gedreht werden kann.

 

Bei täglichen Fahrten nach Nyköping beladen wir den Kofferraum unseres Autos mehrmals mit Wasser, Bier, Wein, Mehl, Büchsen, Teigwaren, Werkzeugen usw.. Zurück in Nävekvarn stemmen wir ca.150 kg über die Leiter auf den aufgebockten Odin und füllen systematisch sämtliche Hohlräume im Salon.

Wir legen unsere Einkaufstouren so, dass wir uns immer wieder in feinen Restaurants verpflegen können. Die Wahl während zwei Wochen ist Abwechslungsreich. Wir finden einen Chinesen, Spanier, Griechen und die Vegistube und lassen uns verwöhnen.

 

Am Wochenende wird unsere Bugkabine eingerichtet. Sandra hat für uns alle Schlafsäcke in der grossen Maschine gewaschen. Unsere künftige Koje ist nach annähen der Knöpfe für den Bezug bereit. Zwei weitere Waschmaschinen mit Tumbler werden uns gratis zur Verfügung gestellt. So werden die Überraschungen ausgeglichen.

 

Anfang zweite Woche ist unsere Checkliste zu 90% abgehackt. Die Backskiste Steuerbord ist wieder eingerichtet. Alle notwendigen Sicherheits- und Rettungsmittel sind montiert. Sämtliche Ventile und Öffnungen zum Wasser wurden überprüft und im Plan eingezeichnet. Nun fehlt nur noch der Zylinderkopf. Der kommt am Montag morgen und ist bis zum Abend mit allem Zubehör wieder eingebaut. In der Zwischenzeit hat Vreni den Propeller mit der Stahlbürste gereinigt. Er glänzt wieder wie neu.

Einwassern und Probefahrt

Am Dienstag, kurz vor der Znünipause, wird Odin eingewassert. Die Fahrt durch den Wald, auf einem hydraulischen 4 Radanhänger ist ein besonderes Schauspiel. Der umgebaute gelbe Radlader schiebt Odin mit seinen 13 Tonnen Millimeter genau ins Wasser. Mit dutzenden von Hebeln wird unser Schiff auf 4 Stempeln balanciert. Und er schwimmt! Kein Wassereinbruch. Odin steht gerade im Wasser.

Bis unser Jokel wieder läuft vergehen noch 4 Stunden. Der Anlasser will nicht drehen, obwohl alle Batterien maximal geladen sind. Die Leitung des Minuspol fehlt. Sie wurde beim Zusammensetzen des Motors vergessen. Der Diesel kommt nicht bis zu den Düsen weil die neue Dieselpumpe zu viel Luft enthält.

Dann endlich kurz nach halb Zwei stechen wir für die erste Probefahrt in See. Hendrik der Mechaniker begleitet uns. Alles läuft wie vorgesehen. Der Volvo Penta mit seinen 5’000 Stunden Betrieb schnurrt ruhig vor sich hin. Kein blauer Rauch, kein weisser Rauch, kein Rumpeln. 

Zurück im Hafen wird 450 Liter Diesel und 450 Liter Wasser getankt. Die letzten Hohlräume in der Kühlbox und im Kühlschrank werden mit Gemüse, Fleisch und Frischwaren aufgefüllt.

Nach dem letzten Frühstück in der gastfreundlichen Herberge der SPM beziehen wir am Mittwoch unsere Koje auf Odin. Wir bringen unseren Mietwagen nach Nyköping und lassen uns im Restaurant vom Sörmlandmuseum verwöhnen. Auf dem Rückweg zur Busstation ‚stürchelt’ Vreni über den Randstein und schlägt nach einem Freiflug der Länge nach auf den Asphalt. Mit lädierten Knien, verstauchtem Handgelenk und einem blau verfärbten Kinn humpelt sie zum Bus, der uns nach Nävekvarn zurück bringt. Am Abend empfangen wir, bei angenehmen Temperaturen, Lotta und Thomas aus Neuseeland zum Sundowner mit Rotwein.

Odin, unser Wasserschloss

Die vierte Überraschung folgt am nächsten Tag. Beim spülen der Wasserleitungen füllen wir die Bilge unter dem Salon mit 10 cm Wasser. Ohne funktionierenden Bilgenalarm bemerken wir unsere Überschwemmung erst spät. Wir stellen fest, dass auch die Lenzpumpe und die Deckwaschpumpe ihren Dienst verweigern. Ausgerüstet mit dem Elektro Messgerät stellen wir fest, dass sich die ‚Ampèrchäferli‘ irgendwo verkrochen haben. Also: Die eben eingeräumten Backskiste ausräumen und tief im Bauch von Odin alle Kabelverbindungen überprüfen. Ein fieser Wackelkontakt bei der Lenzpumpe ist verantwortlich für den fehlenden Strom. Ausserdem sind die Messgeräte in der Motorenbilge so verdreckt, dass die Sonden nicht mehr schalten. Mühsam auf dem Bauch liegend erfolgt die Reinigung tief unten beim Kiel. Die folge ist eine geknackte Rippe von der scharfen Kante des Motorraumdeckels. Alle Alarmgeber sind wieder intakt. Die Backskiste kann wieder eingeräumt werden.

Am Freitag der erste Regentag. Es schüttet. Beim Fenster der Bugkabine und bei den Püttings Backbord tropft es stetig. Wir bleiben liegen und erledigen viel Papierkram. Die alltägliche Post wird von Peax geöffnet und gescannt. Es sind einige Rechnungen und Briefe als PDF vorhanden. Das Regenwetter motiviert uns für Büroarbeiten. Auf der Checkliste ist alles abgehackt. Auch die Wantenspannung ist für das Segeln vorbereitet. Es trommelt die ganze Nacht auf unser Deck.

 

Wind bis 5 Beaufort, eine Welle über 1.0 m. Das ist zuviel für den ersten Segeltag. Wir bleiben am Samstag und richten weiter Details ein. Endlich Fotos sortieren und Berichte schreiben. Allgemeine Frühlingsputzätä aussen und innen. Zum Schlummi sind wir bei den Neuseeländern eingeladen. Gespannt erwarten wir den Sonntag.

Kommentare: 3
  • #3

    Susanne und Florian (Mittwoch, 25 Mai 2022 19:01)

    Liebe Vreni, lieber Peter,
    schön zu wissen, dass euer prächtiger ODIN alle Malaisen gut überstanden hat und das, was er am Besten kann macht - er schwimmt :)
    Da habt ihr ja einiges „geschafft“ und wir hoffen, dass eure Blessuren schnell vergessen sind und ihr euch ganz eurem wunderbaren Törn widmen könnt. Prima, dass wir eure Reise auf dem Blog mitverfolgen können. Wir sind gespannt, was ihr alles erleben werdet.
    Ganz herzliche Grüße vom VRENELI, dass heute mal wieder in Schleimünde festmachen durfte!
    Susanne und Florian

  • #2

    Maya und Beni (Mittwoch, 25 Mai 2022 14:57)

    Wir fühlen mit Euch. Schon ein bisschen krass der Start.Wir wünschen ,dass ab jetzt alles funktioniert und Ihr Euch wieder gut erholen könnt.
    Liebe Grüsse

  • #1

    Brigitte (Mittwoch, 25 Mai 2022 13:25)

    Eigentlich sollten ja alle guten Dinge drei sein...aber bei euch ist das ja ein Never-Ending-Ding...
    Hoffentlich ist Vreni wohlauf und ihr Knie und Handgelenk sind bald wieder schmerzfrei .
    Wünsche euch einen guten Start und viele schöne Momente, bliibed xund!