Unterwegs in den Högakusten

Von Sundsvall via Umeå nach Vaasa (FI) - Montag 25. Juli bis Freitag 8. August 2022

Ein weiterer Versuch das Startverhalten unseres Volvo Penta zu korrigieren bleibt am Montag ohne Erfolg. Nach dem Vorglühen rumpelt der Motor bei Vollgas und kommt erst nach einigen Sekunden in einen ruhigen Lauf. Die Vermutung, dass Luft in der Kraftstoffversorgung der Grund sein könnte, hat sich nicht bestätigt.

 

Renate und Walti ergänzen unsere Crew

Kurz nach dem Mittag holen wir Renate und Walti am Bahnhof ab. Sie werden uns die nächste zwei Wochen begleiten. Sie haben uns einen neuen Solarregler mitgebracht. Nach der Installation herrscht Jubelstimmung. Wir können wieder mit der Sonne Strom erzeugen und sind so wieder unabhängig vom Landstrom. In einsamen Buchten zu liegen, steht künftig nichts mehr im Weg.

Das gemeinsame Bunkern im ICA folgt nach einem Stadtrundgang. Sehenswert ist die grosse gedeckte Glashalle der Bibliothek.

Eingeweht in Härnösund

Wir wollen am Dienstag nordwärts nach Härnösund. SMI Sweden meldet 3 Beaufort aus Südost und eine alte Welle von 60 cm. An der Tankstelle füllen wir unser Diesellager mit 150 Liter à 3.00 CHF/l. Wir wagen die Fahrt durch die Bucht von Sundsvall. Bei dichtem Nebel und einer Dünung quer ab passieren wir das Kap Åstholm Sudden mit heftigem Schauckeln. Die ganze Fahrt nur Regen, Nebel und alter Schwell.

Die letzten zwei Meilen im Sund von Härnösand verstummt der Motor. Mit der Genua tasten wir uns durch den Nebel an die Sonne. Mit zwei Knoten schleichen wir unserem Ziel, dem südlichen der drei Häfen, entgegen und legen uns dort zwischen die Schwengel.

Bei der anstrengenden Fahrt lag der Eine oder die Andere müde in der Koje. Nach einer nächsten Regenschauer zeigt sich die Sonne freundlich vor einer schwarzen Front.

Ein volles Programm am Mittwoch! Weil Starkwind angesagt, ist machen wir uns gegen zehn auf den Weg für eine Stadtwanderung. Entlang dem Kanal inspizieren wir die Brücken, welche uns morgen die freie Fahrt ermöglichen sollen.

Im Bilmuseum bestaunen wir die riesige Auto-, Töff-, Kinderwagen-, Telefon- und Radiosammlung. Es gibt kaum eine Marke die nicht vertreten ist. Über 100 Jahre eine repräsentative Ausstellung. Bei den alten Vehikeln sind die Kunstwerke auf den Motorhauben besonders sehenswert.

Nach dem feinen Buffet beim Chinesen versuchen wir unser Können beim Minigolf. Die 18-Loch Anlage bietet einiges an Herausforderungen und ist kunstvoll eingerichtet. Für die Sieger und alle Andern winkt ein Eis mit zwei Kugeln.

Auf dem Rückweg gelingt es uns einen Bootsmechaniker zu überreden, dass er Odin einen Besuch abstattet. Der letzte Start in Sundsvall war rumpelnd und rauchig. Nach der Kontrolle der Vorglühung startet der Mechaniker den Motor. Und siehe da. Demoeffekt! Kein Rumpeln und kein Rauch! Er meint, dass wir wohl in Åland schlechten Diesel erwischt haben und mit dem Nachtanken in Sundsvall der Fehler behoben wurde. Fördernd waren auch die Wellen, welche den Diesel gut gemischt haben. Zusammen mit der fünf stündigen Fahrt wurde auch der Motor gut gespült. Alles ist wieder in Ordnung. Unser Volvo schnurrt gemütlich ohne Rauch vor sich hin. Böen mit 4-5 Beaufort jagen durch die Bucht von Härnösund. Die Masten pfeiffen.

Die längste Hängebrücke von Schweden

Ein Anruf am Donnerstag genügt. Der Brückenwärter bestätigt, dass um 09:30 Uhr beide Brücken vom Süd- zum Nordhafen geöffnet werden. Langes Warten bei böigem Wind im untiefen Wasser. Dann leuchtet das grüne Licht. Die Wassertiefe im Kanal liegt bei 3.50 m. In der Seekarte sind 1.80 m eingezeichnet. Zwischen den beiden Brücken warten wir 20 Minuten, bis der Brückenwärter zu Fuss um die ganze Bucht gelaufen ist und uns die zweite Brücke öffnet. Sehr eng wird es auf der Tonnenstrasse. Endlich im offenen Sund setzen wir Segel und kreuzen nach Norden. Erst bei der Fähre von Hemsö fahren wir wieder unter Motor. Es ist zu eng um zu kreuzen.

Vor uns taucht in den Hügelzügen die Högakustenbron (Hochküstenbrücke) auf. Die 1997 eröffnete Brücke ist eine Strassenbrücke und das zweithöchste Bauwerk Schwedens: Die maximale Stützweite der Brücke beträgt 1.210 m und ist damit fast ebenso lang wie die der Golden Gate Bridge (1.280 m). Ihre lichte Höhe beläuft sich auf 40 m, die Gesamthöhe auf 186 m bei einer Gesamtlänge von 1.867 m. Die Brücke ist 17,8 m breit.

Kurz nach dem Fotoshooting drehen wir ab nach Süden und setzen die Genua und das Besansegel. Bei 5 Beaufort rauschen wir mit 7.5 Knoten durch den Storfjärden.

Der Küste entlang folgt mit Halbwind und unregelmässigem Leewind die Fahrt bis zur Durchfahrt zum Gaviksfjärden. Die Böen sind hinter den Hügeln unkontrollierbar. Die letzten vier Meilen bis zur Durchfahrt des Sunds legen wir wieder mit dem Motor zurück. 

Nach der engen Schlucht bei Häggvik suchen wir uns einen Liegeplatz im kleinen Hafen. Beim Manövrieren bemerken wir, dass unser Bugstrahlruder nicht mehr reagiert. Wir haben wieder einmal den Propeller verloren. Der Hafenmeister erlaubt uns hinter dem Steg längs anzulegen, weil das erwartete Motorboot für diesen Platz erst am nächsten Tag eintreffen wird. Diese freundliche Geste wird mit einem Bier belohnt. Wir sitzen zu sechst im Steuerhaus und geniessen unser ‚Läpi Händing‘. Es war ein schöner Segeltag.

Häggvik und die Raritäten von Mannaminne

Am Freitag morgen berichtet der Hafenmeister, dass wir einen weiteren Tag auf dem Längsplatz liegen können. Danach steigen wir zum Freilichtmuseum Mannaminne hoch. Neben einem Gasthaus gibt es über 50 Gebäude aus nah und fern. Darin und dazwischen sind unzählige Artefakte und auch Fahrzeuge ausgestellt. Und sogar ein Mammut! Die kuriose Sammlung der Åbergs bildet einen einzigartigen Ort für alle, die sich gerne überraschen und faszinieren lassen. Anders Åberg (1945-2018) hat selbst verspielte Gemälde, dreidimensionale Bilder und Skulpturen hinterlassen. Sein Stil ist in ganz Schweden bekannt.

Kurz vor dem Mittag haben wir nach einer steilen Bergwanderung eine einmalige Aussicht über die Hügel und Bucht der Högakusten. Nach dem Mittagessen beschliessen wir noch einen Tag in Häggvik zu bleiben. Während Renate und Walti mit den Fahrrädern zur Kirche von Nordingrå pilgern, legen wir uns für einen Mittagsschlaf in die Federn. Die Sonne scheint unterbrochen von einem kurzen Nieselregen. Viele Segler fahren weiter und neue bekannte Schiffe kommen an. Es scheint, dass viele die gleichen Ziele anlaufen.

Die rauschende Fahrt nach Ulvön

Bis zum Kap von Rotskäret hilft uns am Samstag der Motor gegen den Wind. Zwei Beaufort bläst es draussen. Sofort alle Segel setzen und lautlos mit Halbwind durch das kräuselnde Wasser gleiten.

Übermütig machen wir uns daran, den Blister zu setzen. Erst zu spät merken wir, dass die Leinen und die Stag nicht auf der richtigen Seite um das Vorstag hängen. Das farbige Tuch ist ausgerollt und bläht sich auf der falschen Seite. Mit Kurswechsel gegen den Wind gelingt es endlich Tuch und Leinen am richtigen Ort zu platzieren. Eine Stunde harte Arbeit zu dritt bis der Fehler korrigiert ist. Dann rauschen wir durch die Wellen am imposanten Leuchtturm von Högbonden vorbei in Richtung Ulvön, dem Mekka der Högakusten.

Der raume Wind wird kurz vor dem Ziel zu stark für das dünne Tuch des Blisters. Wir bergen die Segel und laufen unter Motor in die lange Bucht ein. Mit Glück erwischen wir die letzte Boje vor dem Hotel und liegen ruhig am Steg.

Nach dem Happy Landing erklimmen wir den Lotsenberg. Der Aufstieg über die schier endlose Treppe wird mit einer famosen Aussicht über die Bucht und die Bothnia belohnt.

Auf dem Rückweg lockt ein kleines Fenster mit gedecktem Tisch. Wir setzen uns in ein Häuschen der Brasserie und werden mit einem feinen Nachtessen belohnt. Ein spezieller Apero mit Absolut Wodka und Geheimnissen der Küche, wird in einer kleinen ‚Bainmarie’ serviert. Mit ‚Nünistei‘ und ‚Mensch ärgere dich nicht‘ neigt sich der frühe Abend dem Ende zu.

Es bleibt genug Zeit am Sonntag morgen die Holzkapelle und das Fischermuseum zu besuchen. Vor zwölf legen wir ab, lassen die Heckboje sausen und laufen aus der Bucht Richtung Norden aus. Ein kleines Lüftchen streichelt die See. Zu wenig um die Segel zu blähen.

Eine kleine Rundfahrt im Hafen von Trysunda unterbricht unsere Fahrt. Die malerischen roten Fischerhäuser stehen gut geschützt tief im natürlichen Hafen.

Ein weiteres mal setzen wir den Blister und Vollzeug. Mit Halbwind gleiten wir durch eine alte Dünung den Inseln entlang nach Norden. Nach 2.5 Stunden müssen wir nach Ällön die Segel streichen. Der farbige Blister fällt platt vor dem Wind zusammen. Ein paar Meilen später laufen wir in die Bucht von Trollön ein. In der südlichsten Ecke lassen wir den Anker auf 5 m fallen und schwoien einsam in der Bucht.

1.August und Nationalfeiertag

Wir liegen am Montag ruhig mit Morgennebel in der Bucht. Nach dem Anker hieven und beim Auslaufen ist wieder klare Sicht. Ausserhalb der Schären setzen wir Vollzeug und segeln mit Raumkurs der Küste entlang. Die Welle liegt gemäss Prognose bei 40 cm. Beim Kap von Själnöudden müssen wir die Segel streichen weil nach einem Kurs mit Schmetterling platt vor dem Wind die Genua nicht mehr steht. Die 2-3 BF sind zu schwach bei der aufbauenden See.

Drei Stunden laufen wir schauckelnd unter Motor den Tjäresskärs entgegen.

Dabei müssen wir den Zündschlüssel mit Hilfe eines Bändsels in Position halten, weil der eingebaute Schalter keinen Kontakt mehr hat und alle Motoreninstrumente sonst ausfallen.

Der angepriesene Gästhamn der Norrbyskär ist enttäuschend. Wie vor vier Jahren ist alles am zusammenfallen schräg und schief. Es ist kein Anlegen möglich. Auch der Gaststeg mit den Bojen ist abgebrochen. Wir verlegen zum Gastbryggen von Truthällan. Auch hier sind keine Bojen ausgelegt. Weil wir das einzige Schiff weit und breit sind, machen wir längs fest. Als erstes entfernt Walti mit dem Strupper die Rückstände der neuen Bewohner. Möven und Gänse haben deutliche Spuren hinterlassen.

Der Grillplatz auf den Felsen macht einen guten Eindruck. Axt, Säge, Sägebock und Birkenholz sind vorhanden. Walti spaltet Holz für ein privates 1. August Feuer. Wir verlegen das Abendessen auf den Sitzplatz am höchsten Punkt der Bucht und freuen uns über die feinen Gemüsegrilladen, Penne mit Bolognese und das angenehme Wetter. Das Fahnenschwingen mit der Schweizerflagge wird von vorbei fahrenden Schiffsführern der Motorboote freundlich erwidert.

Spät in der Nacht prasselt der Regen auf unser Dach. Ein Gewitter zieht vorbei. Der Steg ist anschliessend blitz blank gereinigt.

Eingeweht in Patholmsviken

Renate und Walti besuchen am Dienstag Morgen das Museum der Norrbyskären. Die Inselgruppe besteht aus zwei größeren Inseln, Stuguskär und Långgrundet auf welchen seit 1895 ein dampfgetriebenes Sägewerk und gleichzeitig eine Arbeitersiedlung gebaut. Das Museum zeigt die historische Entwicklung des Sägewerkes welches 1952 stillgelegt wurde. Renate und Walti werden von zwei charmanten schwedischen Girls freundlich begrüsst,  welche die Überreste aktiv betreuen. 

An der Fährstation laden wir die beiden wieder ein und segeln mit ausgebaumter Genua Richtung Umeå. Der Wind wird immer schwächer. Erst bei der Einfahrt zum Sund rauschen wir mit der Genua raumschotts durch die Wellen.

Im Gästhamn von Patholmsviken legen wir uns längs an den Bojensteg, weil für die nächsten Tage starker Westwind angesagt ist. Bei der kleinen Werft finden wir einen Ersatz für das defekte Zündschloss. Nach Kötbullar (Fleischbälchen, schedisches Nationalgericht) mit Lauchkartoffeln spielen wir bei stürmischem Wind eine Runde Boule auf dem Platz des Båtklubb.

Nachts um 22:00, in einer Flaute mit 4 BF, verlegen wir Odin, unter Protest der Coskipperin, auf die Nordseite des Steges an die Boje. Der Wind hat nach Süden gedreht. So liegt unser Schiff mit der Nase im Wind und kann ruhig die kommenden Starkwinde abwettern.

Pumukl treibt sein Unwesen

Am Mittwoch Morgen hat sich wieder einmal Pumukl bemerkbar gemacht. Immer wenn etwas spurlos verschwindet, ist er schuld. Der neue Schlüssel zum Zündschloss ist unauffindbar. Alles Suchen nützt nichts.

Der Wind heult und peitscht das Wasser im Hafen. Wir liegen ruhig hinter dem Steg. Die Gummipuffer in den Leinen federn die Wellenstösse ab.

Nach dem Frühstück wird der bestellte Mietwagen geliefert. Ein komfortabler SUV. Die Zufahrt zum Hafen kann nur vom Hafenmeister geöffnet werden. Er übergibt uns seine Telefonnummer. So können wir jederzeit ein- und ausfahren. Beim Coop in Holmsund ergänzen wir unseren Vorrat und verspeisen diverse Kebab und Pizza Kombinationen. Zurück im Hafen haben wir alle Hände voll zu tun.

Ein Motorboot und zwei Segler legen bei Starkwind am Steg an. Ein Belgier muss sein Längsliegen aufgeben und Platz schaffen. Gemeinsam werden alle Schiffe vertäut und die Leinen eingeholt. Während im Backofen des Klubbenhuset eine Apfelwähe gart, spielen wir eine weitere Runde Boule auf der Bahn. Es bläst immer noch aus allen Rohren.

Ein Taucher für das Bugstrahlruder

Am Donnerstag Punkt 08:00 steht der Taucher am Steg. Während einem Tauchgang von 45 Minuten versucht er den Propeller des Bugstrahlruders zu montieren. Es gelingt ihm trotz dicken Handschuhen. Ohne Licht muss er sich mit Gefühl vortasten und die kleine Schraube mit dem Imbusschlüssel befestigen. Der Motorbootfahrer nebenan hat gestern seinen Anker im Hafen eingebudelt und kann ihn nicht mehr hieven. Er ist deshalb glücklich, dass unser Taucher auch seinen Anker klar machen kann. Geteilte Freuden sind auch geteilte Kosten.

Am Vormittag fahren wir mit dem Mietwagen nach Umeå. Unsere Suche nach einem Schlüsseldienst für den vermissten Schlüssel bleibt erfolglos. Dafür ist die Stadtwanderung umso schöner. Besonders der Bereich um den Hauptplatz mit Park bis zur Umeälv gefällt uns sehr. 

Die im Reisebericht empfohlene Rundfahrt führt uns an einem kleinen Glasatelier vorbei zum Energiemuseum und schliesslich zum Wasserfall mit Kraftwerk.

Im Västerbottenmuseum Gamelia können wir nur noch wenig besichtigen, weil die Gebäude um 16:00 schliessen.

Gemäss Wetterprognose ist morgen ein Wetterfenster, welches uns die Überfahrt nach Vaasa ermöglich könnte. Wir bunkern deshalb mit dem Mietwagen die restlichen Esswaren und spielen bis spät am Abend wieder Boule.

Eine Nebelfahrt nach Ratan

Am Freitag beim Frühstück ändern wir unsere Pläne. Für die nächste Nacht sind starke Gewitter angesagt. Die geplante Nachtfahrt und das kurze Zeitfenster bergen uns zu viele Risiken. Wir beschliessen zunächst nach Norden Richtung Ratan zu fahren und die Überfahrt nach Vaasa erst am Montag mit Rückenwind zu wagen.

Der zweite neue Zündschlüssel bleibt verschwunden. Wir pilgern noch einmal zum Volvo Vertreter. Er teilt uns am Telefon mit, dass er heute geschlossen hat. Schade. 

Kurz vor Mittag machen wir uns mit dem Mietwagen auf den Weg nach Umeå. In der Werft ist das Tor offen und siehe da, der Inhaber der Volvo Vertretung steht vor der Tür. ‚Nein, ich habe keinen zweiten Startschalter mit Schlüssel. Wieviel Schlösser habt Ihr den an eurem Schiff?“ Wir erklären Ihm das Missgeschick und er meint: ‚Moment ich schau noch mal nach‘. Kurz darauf erscheint er mit einer schönen blauen Volvoschachtel. Darin ein ganzes Instrumentenpult mit Schlüsselschalter. Er baut Ihn aus und meint beim Übergeben: ‚Aber kommt nicht noch einmal. Dies ist wirklich mein letztes Schloss!‘

Zufrieden fahren wir in die Stadt zum ‚Lädälä‘ und verpflegen uns genüsslich beim Inder an einem umfangreichen Buffet. Zurück auf Odin bäckt Vreni zwei Brötchen. Wir machen das Schiff klar, um nach Norden auszulaufen. Da macht sich Pumukl bemerkbar und rückt den vermissten Schlüssel wieder raus. Er lag bei den Schwimmwesten im Oberschrank. Nun haben wir zwei vollständige und neue Startschlösser für Odin!

Der Versuch mit Raumschott zu segeln scheitert. Der Schwell ist zu hoch und der Wind zu schwach. Wir lassen uns deshalb mit Motor von den Wellen nach Ratan schieben. Nach zwei Stunden befinden wir uns im dichten Nebel mit rund 50 m Sicht. Zur Freude der ganzen Mannschaft dürfen wir alle zwei Minuten ein Schallsignal (einmal lang, zweimal kurz) abgeben. 

In Ratan verschieben die Segler am Steg ihre Boote, damit wir längs anlegen können. Es folgen noch einige Boote, welche sich längs an die andern Segler legen. Spät um 21:30 drückt die Sonne leuchtend gelb über den Horizont und zaubert uns einen doppelten Regenbogen am Himmel.

Nach Nebel folgt der Regen

Eine Regenfront liegt am Samstag über Ratan. Leise tröpfelt es auf die Kuchenbude. Beim Frühstück schmeissen wir die Dieselheizung an. Schnell steigt die Temperatur von 14º auf 20º. Wir geniessen den warm geheizten Salon.

Am späten Nachmittag ist es etwas trockener. Wir wagen einen Spaziergang quer durch die kleine Siedlung des Hafens von Norrland. Im 18. Jahrhundert erlebte Ratan seine grösste Epoche. Von hier aus fuhren Schiffe in andere Teile von Schweden. Die Hafen-, Lotsen- und Zollgeschäfte gingen bis ins 20. Jahrhundert gut. Das riesige Leuchtfeuer auf der kleinen Insel Rataskär wurde 1820 als Seezeichen und Lotsenausblick erstellt. Der Leuchtturm auf Rataskär wurde 1889 gebaut.

In Ratan blieben auch Hinweise auf das im 18. Jahrhundert starke Interesse an der Wasserabsenkung in den Meeren erhalten. Zur Messung des scheinbaren „Absinkens”, das ja in Wirklichkeit auf die Landhebung zurückzuführen war, wurden Wasserstandsmarkierungen in die steilen Uferfelsen geschlagen. Ein Mareograf wurde in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts gebaut, damit der Wasserstand besser erfasst werden konnte. Im Hafen sind auch noch die alten Schuppen vorhanden, in denen die Firma „Hantverk i Ratan“ ihren Sommerladen hat.

Alle Segler bleiben am Steg und warten auf besseres Wetter. Unsere Dieselheizung summt den ganzen Tag vor sich hin.

Für die Überfahrt nach Vaasa ist die Welle am Sonntag noch zu hoch. Der Wind beruhigt sich erst in der Nacht.

Eine Inselwanderung mit Kletterpartien

Neben dem Hafen ist die Insel Rataskär mit mehreren archäologischen Fundstätten wie Labyrinth-Anlagen, Kompassrosen, Steinformationen und Netztrockengestellen interessant. Das älteste der beiden Labyrinthe stammt aus 16. Jahrhunderts. Der Uferbereich der Insel, deren höchster Punkt 21 Meter über dem Meer liegt, besteht aus Felsen und Geröll. Ansonsten besteht Rataskär aus Urgestein mit einer Baumvegetation aus Fichten, Kiefern und Wacholdern. Bei Sonne setzen wir mit dem gemieteten Ruderboot zur Insel über. Die Wanderung führt der Westküste entlang zum Labyrinth. Anschliessend folgen wir der Markierung und klettern entlang der Ostküste über die Geröllhalden. Beim Turm am höchsten Punkt sind wir wieder zurück am Ausgangsort und rudern zurück zum Hafen. Am Nachmittag bleiben wir das einzige Schiff. Sonnenschein wird wiederholt von kleinen Schauern unterbrochen.

Vaasa hat uns wieder

Am Montag ist um 05:30 Uhr Tagwache. Kein Wind kräuselt das spiegelglatte Wasser in der Bucht. Eine Stunde später legen wir ab. Beim loswerfen der Bugleine versenkt Walti mit dem fliegenden Tampen seine Brille im tiefen dunkelgrünen Hafenbecken. Der Verlust kann zum Glück mit einer Ersatzbrille aus dem Gepäck behoben werden.

Eine zehn stündige Überfahrt nach Finnland steht vor uns. Auch auf der offnen Bothnia kein Hauch von einem Wind. Stunde um Stunde brummen wir unter Motor über die endlose Weite. Ein Baggerschiff und ein kleiner Frachter begegnen uns. Sie werden am Bildschirm mit AIS interessiert verfolgt. Flüchtende Ederenten pflügen durch das Wasser.

Nach der zweiten Verpflegung auf hoher See (Hörnlieintopf und Chabissalat) fällt die Hälfte der Mannschaft in Tiefschlaf.

Land in Sicht! Bei der Insel Björkön am Leuchturm von Ritgrund vorbei biegen wir nach Süden in die Tonnenstrasse nach Vaasa ein. Immerhin segeln wir mit schwachen 2 BF Raumschott zwischen den Schären bis kurz vor den Hafen von Vaskiluoto der Wasa Segelförening. Dort legen wir uns längs an den Aussensteg.

Dort legen wir uns längs an den Aussensteg. Walti hat seine Pflichtmeilen für den B-Schein absolviert und besteht auch die letzte Prüfung mit den Socken bravurös.

Nach einem kurzen Fussmarsch über die Brücke beim Stadteingang werden wir göttlich verpflegt. Ein Käptensdinner an der Sonne bei sömmerlichen Temperaturen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Maya und Beni Keller (Sonntag, 14 August 2022 08:32)

    Liebes Vreni, lieber Peter
    Danke für die interessanten Beiträge und die schönen Fotos.
    Fahrtensegeln pur. Mit einem Schiff wird es Dir und dem Konto nie langweilig.
    Wenn Pumukel noch dabei ist sowieso nicht.
    Weiterhin einen schönen Törn wünschen wir Euch.