Entlang der finnischen Westküste

Von Vaasa nach Reposaari - Dienstag 9. bis Mittwoch 17.August 2022

Der neue Kochherd mit Backofen

Der Hafen wirkt am Dienstag wie ausgestorben. Kein Hafenmeister ist im Büro. Nur drei Gastschiffe liegen im Hafen. Endlich gelingt es uns nach mehreren telefonischen Versuchen den Code der Sanitäranlagen zu bekommen. Die Waschmaschinen und Duschen werden von uns rege benutzt.

Vor dem Mittag begleiten wir Walti und Renate zum Bahnhof. Sie reisen via Helsinki zurück nach Hause. Es war eine schöne Zeit mit Ihnen.

Im Seglerladen Fantoy bestellen wir einen neuen Kochherd mit Backofen. Alle Reparaturversuche beim Alten sind fehlgeschlagen. In der Saluhalle geniessen wir wunderschön dekorierte Salate. Mit vollen Rucksäcken kehren wir zum Hafen zurück. Die Fahrt dahin bewältigen wir mit den elektro Trottinetts in kürzester Zeit.Die Hafengebühr können wir erst am Abend bei der Nachtwache bezahlen. 

 

Den ganzen Mittwoch verbringen wir im Hafen auf Odin. Aufräumen, putzen und Büroarbeiten werden nur vom verschlingen von feinen Barschfilet und einem Mittagsschlaf unterbrochen.

Um 16:00 kommt das erlösende Telefon von Fantoy. Der Kochherd ist dort und wird uns in den nächsten Minuten direkt in den Hafen geliefert. Mit dem Handwagen transportieren wir das schwere Stück auf den Steg. Nach kontrollieren der Einbaumasse und genauer Begutachtung des neuen Möbels wird der alte Herd und die Gasleitung ausgebaut. Die Gewinde der bestehenden Gasleitung passen nicht zum neuen Ofen. Der Einbau des Kochherdes ist nach kleinen Anpassungen um 18:00 fertig. Er strahlt im Salon und spiegelt die Umgebung. Die kardanische Aufhängung ist perfekt und das alten Kuchenblech passt auch in den neuen Backofen.

Am Donnerstag Morgen ist der erste Gang zum Seglerladen. Wir suchen eine Lösung für die Anschlussmuffen der Gasleitung für den Kochherd. Im ersten und zweiten im Laden finden wir keine Lösung. Im Dritten, bei der Hydroscand, wird uns ein neuer Schlauch konfektioniert. Zufrieden kehre ich mit dem schnellen Elektrotrotti zurück für die Montage. Der Kochherd mit Backofen ist nun wieder betriebsbereit.

Es bläst im Hafen den ganzen Tag mit 4-5 BF. Für ein feines Mittagessen und weitere Einkäufe, unter anderem 2 Paar Hosen für den Skipper, nutzen wir wieder die schnellen elektro Vois. Zurück auf Odin bereiten wir Alles für die letzte Etappe nach Turku vor.

Wie Gestern kommt auch heute der Stahlkatamaran längs an den Steg. Mit Kran ausgerüstet ist er für den Unterhalt der Spieren und Naturhäfen zwischen Vaasa und Kristinestad zuständig. Immerhin 3’500 Seezeichen sind auf dieser Strecke ausgelegt.

Segeln zwischen Steinhaufen

Nach dem Auslaufen am Freitag verlegen wir für einen kurzen Stop an die Tankstelle im Hafen. Die Preise sind wieder auf vernünftigem Niveau bei 2.10 €. Allerdings wird B7 Diesel verkauft, welcher mit bis zu 7% Biostoffen durchsetzt ist. Mikroorganismen lassen grüssen. Wir werden unseren Dieseltank nächsten Frühling mit Grotamar vergiften müssen um zu verhindern, dass die nachgewachsenen gelartigen Organismen die Einspritzdüsen unseres Volvo Penta verstopfen.

Die nächsten 40 Meilen sind mit hunderten von Spieren gespickt. Im zick zack unter Motor fahren wir aus dem Hafen auf die breite Tonnenstrasse. Quer durch die See, über Untiefen (für Odin tief genug) als Abkürzung zwischen Kardinalszeichen hindurch erreichen wir ruhiges Wasser. Mit 2-3 BF Wind auf Halbwindkurs gleiten wir durch kleine Wellen nach Süden. Bis zu 6 Knoten SOG zeigt die Loge an.

Bei der Engen Durchfahrt südlich von Bergö kreuzen wir die Strasse der Fähre. Mit Vollzeug und gutem Speed setzen wir unsere Fahrt fort. Fast Schade, dass wir bei Björkö die Segel streichen müssen.  

Wir biegen ab in die südliche Bucht mit den Betondalphins und legen uns am Ende der Bucht gut geschützt vor West- und Südwinden, vor Anker. Heute war ein sehr schöner Segeltörn mit blauem Himmel. So wie man sich das wünscht.

Vreni kocht das erste Nachtessen (Nasi Goreng) auf dem neuen Kochherd und ist begeistert von der Leistung der Gasbrenner. In der Nacht zum Samstag folgt ein Lichterspiel mit farbigen Effekten. Zuerst versinkt die Sonne mit gelb-rotem Licht am Horizont. Um 02:00 glänzt der Mond silbrig im ruhigen Wasser und um 05:30 werden die wenigen Wolken theatralisch von der aufgehenden Sonne beleuchtet, während im Westen der Mond am Horizont verschwindet.

Gegenan nach Süden

Bis nach Kaskinen schiebt uns der Motor durch die moderaten Wellen. Den Tonnenstrassen folgend, teilweise in den Schären und wieder im offenen Meer, erreichen wir schon nach vier Stunden unser Ziel.

Wir haben heute ein Jubiläum verzeichnet. An der Kurve bei der grünen Tonne Nygrundsklalan 2 erreicht unsere Seemeilenzähler der Logge die Marke 10’000. Seit wir mit Odin unterwegs sind haben wir in den letzten Jahren durchschnittlich 1’000 SM pro Jahr zurückgelegt. Und der Motor schnurrt weiter vor sich hin. Ohne Rauch und ohne zu stottern.

Der kleine Gasthafen von Kaskinen ist einfach eingerichtet und mit allem ausgerüstet. Die Hafenmeisterin begrüsst uns im Cafe mit einem feinen Eis. Danach bleibt genug Zeit für die Sonne, das Büro und das Abendessen.

Spak entfernen bei der Kuchenbude

Wir bleiben am Sonntag im Hafen liegen. Draussen weht der Wind mit 5 BF gegenan. Aufkreuzen zwischen den Steinen ist nicht möglich. Die Sonne lacht bei sömmerliche Temperaturen. 

Unsere Kuchenbude hat einen Waschgang nötig. Wir bauen alles ab und schrubben das Tuch auf dem Steg um den Spak zu entfernen. Die schwarzen Flecken sind hartnäckig und verschwinden nicht gänzlich. Nach dem Trocknen wird der Stoff neu imprägniert, was grässlich stinkt.

Wir verlassen deshalb Odin für einen ausgedehnten Stadtbummel und kleinen Einkäufen.Am südlichen Ende der Stadt finden wir in einem paradiesischen Garten eine Töpferei, welche im Gebäudeinnern mit gewagten Farben ausgstattet ist. Am andern Ende der Stadt besuchen wir einen Heimwerkladen welcher mit gestricktem und genähtem seine Kundschaft sucht.

Gegen Abend lassen wir uns im nahen Restaurant verwöhnen. Wir feiern den Geburtstag von Corina aus der Ferne. Die Sonne versinkt am Horizont. Die nette alte Dame von gestern besucht uns wieder vor dem Eindunkeln und erzählt uns von ihren weiten Reisen und den Erlebnissen mit dem Segelboot. Sie hat in Kaskinen den schönsten Platz auf der Welt gefunden.

Die kleinste Stadt von Finnland

Kaskinen, schwedisch Kaskö, ist mit 1278 Einwohnern die kleinste Stadt Finnlands. Offiziell ist die Stadt zweisprachig. Der Gründung ging eine Auseinandersetzung um eine Neuorientierung der Handelspolitik der Regierung voraus. Städte im Schwedischen Reich benötigten eine spezielle Berechtigung, um mit dem Ausland Handel treiben zu dürfen, die sogenannten Stapelrechte. Diese besaßen in Finnland bis 1765 nur Turku und Viipuri. 1765 wurden diese Rechte den vier in Österbotten gelegenen Städten Kokkola, Oulu, Pori und Vaasa verliehen. 1774 kündigte die Regierung König Gustavs III. an, alle Stapelrechte der Region Österbotten in der neu zu gründenden Stadt Kaskinen zu konzentrieren.

Die Blütezeit endete, als die Handelsflotte in den Koalitionskriegen versenkt wurde..Bis in die jüngere Vergangenheit waren die Haupterwerbszweige der Stadt Fischerei und Sägewerksindustrie. Erst in den 1970er Jahren erfolgte eine großangelegte Industrialisierung, als der Papierkonzern Metsä-Botnia sein Werk in Kaskinen eröffnete.

Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert prägen das Stadtbild. Auf einer Fläche von 1 x 2 km sind ausschliesslich 1 - 2 geschossige Bauten vorhanden. Das Straßennetz von Kaskinen ist wie bei den meisten Planstädten rechtwinklig angelegt.

Am Montag mach wir uns auf den Weg weiter nach Süden. Der angekündigte Landwind wir nach einem kurzen Versuch zum Segeln zur Flaute. Spiegelglatt zeigt sich die Bothnia. Wir motoren deshalb weiter bis Krooka, einem kleinen Hafen in der Nähe der Stadt Merikarvia und legen uns längs vor das geschlossene Restaurant. Es ist 29.4º im Steuerhaus. Der Sommer ist zurück.

All is free

‚All is free’ damit begrüsst uns die Hafenmeisterin. Keine Gebühren für die Sanitäranlagen, den Liegeplatz oder Elektroanschluss. Weil die Zapfsäule für Strom 40 m entfernt liegt bekommen wir auch gleich eine Kabelrolle. Odin ist das einzige Segelschiff im Gasthafen. 

Wir dösen in der Mittagshitze vor uns hin und freuen uns über den kleinen Luftzug am Abend.

Zwischen Steinen und Windmühlen

Blauer Himmel und weiterhin 25º erwarten uns am Dienstag im Salon. Wir beschliessen weiter zu ziehen und hoffen auf den ablandigen Morgenwind. Kein Rauch, kein rumpeln beim Starten unserer Maschine. Kurz nach der Hafenausfahrt setzen wir Segel und gleiten lautlos durch die Tonnenstrasse. Zwischendurch hilft uns der Motor wenn der Wind direkt von vorne kommt.

Nur zwei Gäste im Hafen

In den Schären von Reposaari fahren wir zwischen Steinen und imposanten Windmühlen. Es ist wieder 30º im Schatten. Wir legen uns längs an den Steg. Nut zwei Segler liegen im Gasthafen.  Die Saison ist vorbei. Der Service ist reduziert. Eine erfrischende Dusche bekommen wir trotzdem.

Am Abend beschliessen wir uns in der nahen Hafenbeiz zu verpflegen. Das Angebot reisst zwar niemanden vom Stuhl. Wir heizen aber mit dem Kochherd unsere gute Stube nicht noch zusätzlich auf. Die gemessenen 29.8º reichen uns.

Eine Horde von Fischern erobert am Mittwoch alle Stege im Hafen. Mit umfangreichen Ausrüstungen platzieren sie sich an nummerierte Plätzen und harren der Fische die da kommen sollen. Zwischendurch werden die Plätze getauscht, damit alle die gleichen Voraussetzungen für den Fischwettbewerb haben.

Links und rechts von uns ziehen schwere dunkle Gewitterwolken vorbei. Der Himmel brummelt und kracht. Kurz nach dem Mittag erwischt es uns auch. Wie aus Giesskübeln stürzen sich die nassen Fluten vom Himmel. Es blitzt und donnert. Der Mittagsschlaf wird vom heulenden Wind gestört. Nach einer Stunde ist der Spuck vorbei.

Wir nutzen eine zwei stündige Regenpause und für kleine Einkäufe im Dorf. Zurück um 16:00 Uhr schüttet es wieder. Wir sind im Trockenen. Vreni bäckt im neuen Backofen zwei schöne Brote und verschenkt eins an die nebenan liegenden Schweden, welche seit Tagen auf der gleichen Route unterwegs sind. Als Gegenleistung bekommen wir frisch gebackene Kardamonbrötchen, welche wir mit Genuss kosten.

Am Gästesteg hat es weder Strom noch Wasser. Die wenigen Momente mit Sonne reichen nicht um unsere Batterien zu laden. Die nächste Nacht wird deshalb zur Belastungsprobe.

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