Samstag 9. August bis Montag 25. August 2025
Göteborg - Donsö - Saeby - Hou- Oester Hurup - Grenaa - Ebeltoft - Aarhus - Tunø
Die Oper am Hafenquai
Die ‚Göteborgsoperan‘ strahlt am Samstag morgen in der Sonne. Das Gebäude wurde 1994 eingeweiht und hat eine Fläche von 28.700 Quadratmetern mit einer Höhe von 32 Metern. Die Oper verfügt über zwei Bühnen, hat 1300 Sitzplätze und wird von 1000 Scheinwerfern beleuchtet. Neben Opern werden Ballette, Musicals und Shows aufgeführt. Es gibt auch ein Theaterrestaurant.
Nach dem Frühstück vertreiben wir uns die Zeit mit Putzen, Flicken und Schreibarbeiten.
Der nächste Gast kommt zu uns
Am Nachmittag trifft Walti mit dem Flygbusarna in der Zentralstation ein. Wir holen ihn ab und spazieren gemeinsam zum nahegelegenen Hafen. Nach dem Einschiffen mit einem Begrüssungs-Aperitif flitzen wir mit drei Voi-Rollern zur Salu Hall, wo wir in einem feinen Restaurant vietnamesische Köstlichkeiten geniessen. Den Abend ausklingen lassen wir mit einem Schlummi auf dem Achterdeck von Odin, zusammen mit Irené und Gaetano. Nach einem spektakulären Sonnenloch in den Wolken zwingt uns der Regen ins Trockene. Bis spät sitzen wir in der Kuchenbude.
Walti auf Tour
Walti verlässt uns am Sonntagmorgen mit dem Elektroroller für eine Stadtrundfahrt. Mit viel Spass flitzt er durch Göteborg und besichtigt die wichtigsten Highlights. Währenddessen kümmern wir uns um Odin und erledigen diverse Büroarbeiten.
Abendessen beim Franzosen
Gegen Abend spazieren wir durch die leere Fussgängerzone zum zweiten Kanal. Auf der Suche nach einem gemütlichen Restaurant stellen wir fest, dass die meisten Läden und Restaurants geschlossen sind. Bei der Reiterstatue von Karl IX. setzen wir uns auf die Terrasse eines französischen Restaurants, das amerikanische Musik spielt. Der Wind ist kühl, sodass wir bald ins Innere wechseln. Das Abendessen ist ausgezeichnet. Für den Schlummi besuchen wir ein letztes Mal die Taya. Walti hat aus dem Haga-Quartier eine riesige Zimtschnecke mitgebracht.
Der Hafen Lilla Bommen leert sich
Irené und Gaetano verlassen uns am Montagmorgen. Sie machen sich auf den Weg nach Norden, um Uddevalla zu besuchen. Wir bereiten Odin für die morgige Überfahrt nach Dänemark vor und statten ihn mit einer Sorgleine aus.
Feuer im Hemköp
Zudem müssen wir unsere Vorräte auffüllen. Walti und Vreni haben alles im Hemköp eingekauft. Doch vor dem Bezahlen an der Kasse müssen sie fluchtartig den Laden verlassen, weil ein Feueralarm ausgelöst wurde. Mit etwas Verspätung treffen sie mit vollen Rucksäcken wieder bei Odin ein.
Köttbullar als Abschiedsessen
Vreni verwöhnt uns mit der schwedischen Nationalspeise: Köttbullar (Hackfleischbällchen) mit Kartoffelstock und brauner Sauce. Am Nachmittag ergänzen wir die Vorräte in der Salu Hall. Wir können nicht widerstehen und kaufen mehr Käse bei unserem Lieblingshändler. Beim Metzger gönnen wir uns einige Scheiben Lyonerwurst mit Paprika und schönes Lammfilet.
Zwischen zwei Regengüssen
Auf dem Rückweg besuchen wir die Fiske Kyrka und lassen uns von der feinen Auslage im Restaurant nicht verführen. Die Rückfahrt zu Odin wird von einem Stopp im Hemköp für letzte Einkäufe unterbrochen. Bei allen Fahrten von heute bleiben wir trocken – der Regen hat jeweils vor der Abfahrt oder nach der Ankunft leicht eingesetzt. Zur Feier des Tages oder als Abschied lassen wir ein Papierschiff aus dem Hafen auf die Göta Älv zu Wasser. Es verschwindet bald hinter einem grossen Segelschiff.
Wir stechen in See
Am Dienstag stechen wir endlich nach Westen in See. Die farbigen Häuser entlang der Göta Älv leuchten im Sonnenlicht. Vorbei an dem verdrehten Tower, alten Segelschiffen und dem Gas- und Öllager tuckern wir in Richtung offenes Meer. Im Containerhafen werden grosse Frachter entladen. Wir setzen Segel und gleiten lautlos entlang der Schären Asperö und Köpstadsö nach Süden. Die blauen Fähren kreuzen in regelmässigen Abständen unseren Kurs.
Der Hafen von Donsö ist leer
Die Wetterprognose trifft ein: 3 BF aus Westen, blauer Himmel mit einigen Quellwolken. Wir kreuzen ein letztes Mal durch die schwedischen Schären. Im Hafen von Donsö haben wir Glück: 90 % der Längsplätze sind frei. Nach einer feinen Rüäbli-Curry-Suppe legen wir uns zum Mittagsschlaf in die Kojen.
Bei einer kleinen Wanderung erkunden wir die nahegelegenen Schären. Der Steinhügel an der Südspitze der Insel lädt zum Baden ein. Hagenbutten und Brombeeren sind reif und warten darauf, gepflückt zu werden.
Mit Vollzeug über den Kattegat
Am Mittwoch haben wir beschlossen, die Überfahrt durch den Kattegat ohne Zwischenstopp auf der Insel Læsø direkt nach Dänemark zu segeln. Kurz vor acht laufen wir aus. Ein letzter Blick auf die Steinhaufen der Schären, dann setzen wir das Vollzeug. Mit optimalem Halbwind reiten wir durch die kleinen Wellen. Unsere Logge zeigt 7 Knoten durchs Wasser, während der Plotter nur 6 Knoten über Grund anzeigt. So werden aus 43 Seemeilen über Grund ganze 50 Seemeilen durchs Wasser. Nach 6,5 Stunden dreht der Wind direkt auf die Nase. Wir rollen die Segel ein und motoren die letzten drei Stunden weiter nach Westen. An der Grenze wird die schwedische Gastlandflagge eingeholt und die dänische gesetzt. Zusätzlich hissen wir die Flagge N (November) für das Queren von Brücken oder Schleusen in Dänemark.
Sæby und das Fischbuffet
Kurz nach 17:00 Uhr legen wir in Sæby am Gästepier an. Zuerst wollen wir die Stadt erwandern. Der einstige Fischerort mit seiner restaurierten Altstadt zählt zu den schönsten Orten in Dänemark. Die markante Kirche ist weithin sichtbar.
Kurz nach 17:00 Uhr legen wir in Sæby am Gästepier an. Zuerst wollen wir die Stadt erwandern. Der einstige Fischerort mit seiner restaurierten Altstadt zählt zu den schönsten Orten in Dänemark. Die markante Kirche ist weithin sichtbar. Im "Jacobs Fiskerestaurant" schlagen wir zu. Am reichhaltig gedeckten Buffet ist alles, was das Herz begehrt, bereit – wir behelfen uns mit Plastikhandschuhen, um unsere Teller zu füllen. 'All you can eat' für 35 CHF.
Auf dem Rückweg begrüssen uns die ersten Spiegeleierquallen. Zurück bei Odin verfolgen wir die Reparatur eines Ruders. Drei Dänen, die mit ihrem Segler von der Karibik zurückkehrten, wurden von Orcas (Killerwalen) angegriffen. Dabei hat die Ruderstange das Ruder durchbohrt und unbrauchbar gemacht.
Mit Borreliose zum Arzt
Am Donnerstagmorgen suchen wir zunächst einen Arzt auf. Vreni hat nach einem Zeckenbiss eine Wanderröte entwickelt. Beim örtlichen Arzt bekommt sie ein Rezept für Medikamente gegen Borreliose. Auf dem Weg zur Apotheke füllen wir gleich die nötigen Vorräte auf. Der Rückweg führt uns durch die Altstadt und entlang des Flusses zum Sandstrand. Zentimeterdick liegen Muscheln zwischen den Grasbüscheln.
Eine heftige Grundwelle
Nach einem feinen Steak mit Reis und Bernaise laufen wir aus. Direkt nach der Hafenausfahrt prallen Wellen von 80 bis 100 cm gegen den Bug. Ein Abbergen der Fender ist nicht mehr möglich. Angegurtet an die Sorgleine versuchen wir, klar Schiff zu machen. Die Grundwelle baut sich auf, da das Wasser nur 3 bis 5 m tief ist und mit 4 Seemeilen vom Strand entfernt verläuft. Die Wellen rollen von Osten her über die Untiefen.
Es hat genug Platz in Hou
Wir kämpfen uns vier Stunden gegen die Welle quer ab nach Süden. In Hou schiebt uns die Grundwelle mit viel Wucht durch die enge Einfahrt. Das Echolot zeigt nur noch 10 cm unter dem Kiel. Wir landen längs an der Backbordseite der Quai-Mauer. In dem ruhigen, gepflegten Hafen setzen wir uns für das "Happy Landing" an den Tisch neben Odin.
Die Welle hat sich beruhigt
Am Freitagmorgen herrscht reger Verkehr auf der Mole. Die Autos fahren bis zum Aussichtspunkt und kehren dann zurück. Zeitig laufen wir aus und setzen gleich nach der Ausfahrt das Vollzeug. Die See hat sich beruhigt, die Ostwindwelle wird vom Westwind überlagert und flach gewalzt. Mit 3-4 Beaufort fliegen wir mit 6,5 Knoten durch das seichte Wasser.
Wetterprognosen sind Glückssache
Der Windfinder hatte uns gestern eine Welle von 20 cm prognostiziert, doch die tatsächliche Welle ist mindestens viermal so hoch. Auf DMI.DK, dem dänischen Wetterdienst, sind die Voraussagen wesentlich genauer. Poseidon neckt uns heute ein paar Mal. Nach optimalem Wind frischt es auf, wir reffen, dann dreht der Wind um 30 Grad, wir räumen zusammen und motoren weiter. Kurze Zeit später weht es wieder mit 3-4 Beaufort. Wir segeln weiter mit Genua und Besan. Dann wird es diesig, doch kurz darauf klart der Himmel auf und die Sonne scheint.
Øster Hurup – klein, aber fein
Mitten in einem langen Sandstrand wurde ein Steingriff gebaut und ein Kanal ausgebaggert. Der aufgeschüttete Hafen von Øster Hurup bietet genug Schutz vor dem angekündigten Sturm aus Westen. Nach dem Anlegen längs am Steg geniessen wir ein Bier im nahegelegenen Restaurant und amüsieren uns im Hafenkino. Einige Segler kommen das Hafenmanöver nur mit einem lauten "Rumms" über die Bühne.
Der Winddreher
Am Samstagmorgen bläst nach der Hafenausfahrt ein optimaler Westwind. Mit Vollzeug rasen wir nach Süden. Nach einer Stunde dreht der Wind nach Norden. Der Versuch, mit Schmetterling und Bullenstander platt vor dem Wind zu segeln, scheitert. Die raue Welle ist zu hoch und der Wind mit 2-3 Beaufort zu schwach. Die Genua fällt ein und das Grosssegel knallt in die Leinen. Unter Motor reiten wir auf der 1 m hohen Welle.
Wir lassen Bonnerup rechts liegen
Der diesige Himmel hellt auf, und der blaue Himmel breitet sich mit viel Sonne aus. Der Wind legt etwas zu, doch auch der zweite Versuch mit den Segeln scheitert. Wir beschliessen, nach fünf Stunden Fahrt direkt bis Grenaa durchzufahren und Bonnerup rechts liegen zu lassen. Nach weiteren drei Stunden runden wir das Kap und steuern den Leuchtturm an, wo wir in ruhigeres Wasser eintreten. Die Welle flacht ab und vor uns taucht eine Ölbohrinsel auf. Schliesslich erreichen wir den Hafen von Grenaa, wo viel Platz ist – die Saison ist bereits seit einer Woche vorbei. Mit Spaghetti Gorgonzola verwöhnt uns Vreni, während wir das Essen unter einem leuchtenden Abendhimmel geniessen.
Kattegat
Am Sonntag nach dem Frühstück besuchen wir das Kattegat-Museum, das direkt am Hafengelände liegt. Das Kattegat (dänisch Kattegat, schwedisch Kattegat) ist ein etwa 35.000 km² grosses Meeresgebiet mit einer durchschnittlichen Tiefe von rund 80 Metern. Es liegt zwischen Jütland (Dänemark) und der schwedischen Westküste und grenzt bei Skagen an das Skagerrak. Ökologisch betrachtet ist das Kattegat ein Übergangsgebiet zwischen der salzärmeren Ostsee und dem atlantisch geprägten Skagerrak. Südlich von Læsø dominieren flachere Gebirgsschichten, während im Norden die Norwegische Rinne steil auf über 600 Meter abfällt. Der Fischreichtum im Kattegat ist beeindruckend; unter anderem sind dort auch Europäische Hummer zu finden. Das Kattegatcentret beschäftigt sich mit der artenreichen Lebenswelt dieses Meeresgebiets.
Fütterung der Haifische
Neben einem grossen Becken mit Robben gibt es ein tiefgekühltes Becken mit Pinguinen zu besichtigen. In verschiedenen Aquarien wird die Unterwasserwelt des Kattegats gezeigt, darunter auch Petermännchen, deren gefährliche Stacheln dazu führen, dass sie nach dem Fang meist wieder ins Meer zurückgebracht werden. Der Höhepunkt des Besuchs ist das Haifischbecken, in dem die schnelle Fütterung der Haie mit frischem Fisch demonstriert wird.
Fütterung der Crew
Mit knurrendem Magen machen wir uns auf die Suche nach einem guten Restaurant. Im Hotel Krone finden wir schattige Plätze und werden mit einer der berühmtesten Varianten des Smørrebrød verwöhnt – der Stjerneskud. Diese Delikatesse besteht aus klassischen nordischen Zutaten: Brot, Fisch, Remoulade, Garnelen, Salat, Spargel und vieles mehr. Es schmeckt herrlich nach Meer und Urlaub.
Für kleinere Einkäufe besuchen wir den Sparmarkt und wandern entlang des Flusses Grenaa zurück zu Odin. Abends gibt es ein köstliches Lammfilet, und wieder erleben wir das tägliche Spektakel: Die Sonne versinkt am Horizont in goldenen Farben.
Walti’s Heimreise
Am Montagmorgen tritt Walti die Heimreise an. Mit Taxi, Tram und Zug fährt er nach Kopenhagen. Am nächsten Morgen geht sein Flug zurück nach Hause. Es war eine schöne Zeit mit ihm an Bord, und seine Erfahrung hat uns beim Segeln sehr geholfen.
Ölwechsel
Kurz nach dem Mittag findet der Mechaniker von Kattegattechnik.dk Zeit, um den Ölwechsel bei Odin durchzuführen. Das Abpumpen des alten Öls mittels Saugschlauch gestaltet sich schwieriger als erwartet. Über eine Stunde wird das verschmutzte Öl mit Vakuum aus dem Motor gesogen. Der Schlauch klemmt beim Entfernen, weshalb der Kontrollstutzen des Motors demontiert werden muss. Nach einer schweisstreibenden Arbeit ist das Problem schliesslich gelöst.
Wasch-, Putz- und Bürotag
Damit die Gästekabine wieder in einwandfreiem Zustand ist, waschen wir die Bettwäsche und setzen die Schlafsäcke zum Trocknen in die Sonne. Mit allgemeiner Wäsche sind insgesamt drei Waschmaschinen und Trockner für uns im Einsatz. Die Firma Solan hat das Baugesuch für die PV-Anlage im Neuhof vorbereitet, und den ganzen Nachmittag verbringen wir damit, die digitale Unterschrift für das Einreichen des Baugesuchs einzurichten. Alles bei blauem Himmel und warmem Wetter…
Mit dem Fahrrad ins Zentrum
Am Dienstag, kurz vor dem Mittag, fahren wir mit den Mietfahrrädern ins Zentrum von Grenaa. Mit 4 BF Gegenwind kommen wir leicht ins Schwitzen. In der
Fussgängerzone besichtigen wir die Kirche mit den auffallend hellblauen Bänken.
Wir schlendern durch die Fussgängerzone und besuchen verschiedene Geschäfte mit Haushaltswaren. Eigentlich brauchen wir nichts, aber bei einem kleinen vietnamesischen Restaurant lassen wir uns im
Schatten verwöhnen.Im „Meny“ füllen wir unsere Rucksäcke mit Vorräten für die nächsten Tage. Die Auswahl an Frischwaren ist überwältigend. Schwer beladen radeln wir mit Rückenwind zurück zu
Odin.
Die Abendregatta
Gegen Abend haben wir den Überblick gewonnen und schliessen die Putz- und Büroarbeiten ab. Auf der anderen Seite der Mole schlagen die Wellen gegen die Steinschüttung, und die Gischt spritzt. Plötzlich lebt der Hafen auf: Zehn Segelboote rüsten sich aus und segeln in den Wellen auf und ab. Nach dem üblichen Starthorn setzen sie sich in Bewegung Richtung Süden. Mit dem Schmetterling oder Blister segeln alle durch die Wellen. Besonders ein kleines, rotes Segelschiff krängt unter Vollzeug gefährlich tief. Nach zwei Stunden sind alle Boote wieder zurück und parken ihre Schiffe im Hafen. Die Regatta und damit auch die Abendunterhaltung sind vorbei.
Die Leinen knarren
Am Mittwochmorgen ist der Wasserspiegel im Hafen um 70 cm gestiegen. Die ganze Nacht über hat der Wind geheult, die Masten gepfiffen, und die Leinen haben im Wind geknarrt.Besonders die Bug- und Heckleinen knarren bei jeder Bewegung. Nach dem Montieren der Gummidämpfer ist es wieder ruhig.
Aussenreinigung von Odin
Zur Mittagszeit gehen wir zum nahegelegenen Japaner. Nach einer grossen Sushiplatte besuchen wir noch kurz den Sparmarkt für die letzten Einkäufe. Zurück auf Odin wird das Deck und die Aufbauten gewaschen, um die Salzwasserrückstände zu entfernen. Danach setzen wir uns in die Sonne und plaudern mit der Mannschaft eines Schweizer Segelschiffs. Plötzlich landen Bernt und Doris mit ihrer Carissima genau vor uns am Steg. Wir kennen sie aus Nyköping, wo wir vor zwei Jahren zusammen die Gasflaschen aufgefüllt haben. Wir feiern das Wiedersehen mit einem Glas Weisswein.
Stephan an Bord
Kurz nach 20:30 Uhr erwarten wir Stephan. Er ist heute mit dem Zug von Uster über Hamburg, Kolding und Aarhus nach Grenaa gereist. Da er über das dänische Telefontonband kein Taxi erreichen konnte, legt er die vier Kilometer vom Trambahnhof zum Hafen mit Sack und Pack zu Fuss zurück. Spät am Abend geniessen wir ein reichhaltiges Buffet mit Avocado, kleinen Krebsen, Käse, Gurken-Mais-Salat, Schinken, frischem Brot und dazu einen feinen Rotwein.
Wellenreiten
Am Donnerstag ist der Wind ideal zum Segeln nach Süden. Der ablandige Westwind mit 4-5 Beaufort erzeugt nur eine moderate Welle. Kurz nach der Hafenausfahrt setzen wir die Genua und den Besan. Die Krängung bei Böen ist so stark, dass das Bücherregal ausgeräumt werden muss. Mit Reff 1 rasen wir mit 7,2 Knoten durch die Wellen. Nach Reduzierung der Segelfläche auf Reff 2 wird es gemütlicher, aber die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt immer noch bei 6 Knoten. Beim Runden des Kaps Hasenøre erwischt uns eine Regenfront – es wird dunkel.
Der Handelshafen ist voll
Die Fahrt wird nach vier Stunden unter Maschine fortgesetzt. Gegen 14:00 Uhr erreichen wir den Handelshafen von Ebeltoft. Die Gegend hat sich verändert: Statt der alten Siloanlagen stehen nun neue, schneeweisse Mehrfamilienhäuser am Hafen. Die Anlegestellen sind bis auf den letzten Platz belegt – wohl eine Folge der neuen Anwohner. Wir verlegen uns in die südliche Marina, wo wir einen guten Längsplatz finden. Stephan macht sich auf den Weg, um bei schönstem Wetter Ebeltoft zu erkunden. Am Abend frischt der Wind auf, und heult in den Wanten. Nach einem leckeren Hörnli-Eintopf versinkt die Sonne am goldenen Horizont.
Es heult und pfeift
Am Freitagmorgen heulen die Wanten, und die Masten pfeifen wie Kirchenorgeln. Wir liegen hinter der Mole. Schäumende Wellen ziehen über die Bucht von Ebeltoft und schlagen mit 6-7 Beaufort auf die Steinschüttung. Odin wird an den Steg gerückt, die Fender sind fast platt. Wir hängen alle zehn auf der Steuerbordseite.
Die Fregatte Jylland
Stephan macht sich nach dem Frühstück auf den Weg zur Fregatte Jylland, die 1860 erbaut wurde. Sie ist 102 Meter lang und 14 Meter breit auf Deckshöhe. Ihre Masten ragen über 50 Meter in die Luft, und der Rumpf reicht fast 6 Meter unter die Wasserlinie. Die Jylland war die letzte aus Eichenholz gebaute Schraubenfregatte der dänischen Marine, ursprünglich mit 44 Vorderladerkanonen bewaffnet. Um sich gegen den Befall durch den Schiffsbohrwurm und ähnliches zu schützen, wurde der Rumpf unterhalb der Wasserlinie mit Kupferplatten verkleidet. Zusätzlich war sie mit einer Dampfmaschine ausgestattet, die dem Schiff insbesondere im Gefechtsfall und in engen Gewässern einen windunabhängigen Einsatz ermöglichte. Mit der Maschine konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 12 Knoten erreicht werden, wobei der Vorrat an Kohlen für etwa sieben Tage ausreichte. Unter 3.000 m² Segeln konnte eine Geschwindigkeit von 15 Knoten erzielt werden.
Ebeltoft
Gegen Mittag machen wir uns zusammen mit Bernd und Doris auf den Weg in die Innenstadt. Ebeltoft gehört mit seinem historischen Ambiente zum Nationalpark Mols Bjerge. Das Alte Rathaus ist wegen seiner einzigartigen Idylle ein beliebter Ort für Eheschliessungen. Der alte Stadtteil von Ebeltoft ist voller Nostalgie. Cafés, Restaurants und idyllische Geschäfte schmiegen sich malerisch in die engen, mittelalterlichen Kopfsteinpflasterstrassen zwischen Fachwerkhäusern und Stockrosen.
Endlich ein Smørrebrød
Im Zentrum finden wir im kleinen Restaurant Stiefel einen Tisch für alle fünf und können endlich das dänische Butterbrot geniessen. Smørrebrød, was übersetzt „belegtes Brot“ bedeutet, ist weit mehr als nur ein einfaches Butterbrot. Es handelt sich um eine vollständige Mahlzeit, bei der die Brote mit allem belegt werden können, was man sich vorstellen kann. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt – Hauptsache, das Brot ist üppig belegt. Auf dem Rückweg wagen wir uns in das Weinlager von vin, ost & specialiteter. Feiner Käse wechselt den Besitzer. Nach einer kurzen Degustation von Weiss- und Rotwein kehren wir mit einer Flasche Pinot Gris zu Odin zurück.
Regen am Morgen
Am Samstagmorgen begrüsst uns ein Nieselregen. Im Hafen herrscht Aufbruchsstimmung. Bernd und Doris verabschieden sich mit Ziel Tunø. Wir warten auf den besten Wind bis zum Mittag.
Rauschefahrt nach Aarhus
Nach dem Passieren der Untiefen von Ebeltoft setzen wir die Genua mit Reff 2. Auf Raumschotskurs hebt uns die Welle von hinten an – ein sanftes Auf und Ab. Nach dem Kap von Sleterhage rollen wir die Segel ein. Mit Wind auf die Nase motoren wir der Küste von Helgennaes entlang bis Molshoved. Mit Halbwind setzen wir die Genua und den Besan. Gerefft rauschen wir durch die Wellen, Aarhus entgegen. Eine grosse Katfähre passiert unseren Kurs mit 38 Knoten.
Die Skyline hat sich verändert
Der Wind dreht und fällt zusammen. Für die letzten Meilen benötigen wir wieder den Motor und staunen bei der Ankunft in der Marina. Die Skyline hat sich völlig verändert. Die segelförmigen Neubauten versinken neben hohen Türmen und Treppenhäusern. Der Hafen ist bis zum letzten Platz voll. Freundlicherweise hilft uns der Hafenmeister des Motorbootclubs und weist uns einen gut geschützten Platz längs an einem rostigen Motorboot zu. Wir liegen ruhig, direkt in Stadtnähe neben einem Einkaufszentrum. Ein kleiner Menühinweis: Als Belohnung für den harten Segeltag verwöhnt uns Vreni mit Tourendes, Lauch und Kartoffeln. Mmmmhh.
Stadtwanderung
Am Sonntagmorgen machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Entlang der Hafenkante erwandern wir uns einige Neubauten. Besonders das Dokk1 mit seiner Bibliothek sticht als grosser Glasbrocken ins Auge. Die Lichtsignale an den Kreuzungen sind mit Wikingersymbolen beleuchtet.
Aarhus
Aarhus hat 300.000 Einwohner und ist die zweitgrösste Stadt Dänemarks. Der Ort geht auf eine Wikingersiedlung an der Mündung des Aarhus Å zurück. Aarhus wurde erstmals 948 als Bischofssitz erwähnt und entwickelte sich nach dem Mittelalter zu einer florierenden Seehandelsstadt. Als Mittelpunkt eines neuen Strassen- und Eisenbahnnetzes wurde die Stadt zum wirtschaftlichen Zentrum Jütlands und verfügt heute über eine vielseitige Industrie. Der Seehafen Aarhus Havn ist das grösste Containerterminal Dänemarks.
Dom von Aarhus
Dem Stadtkanal folgend passieren wir die Fressmeile der Stadt. Unzählige Restaurants und Cafés preisen ihre Brunch-Menüs an. Trotz Sonnenschein haben wir keine Lust, uns hinzusetzen, und wandern weiter durch die Altstadt zum Kloster und der Kathedrale. Der Dom von Aarhus ist das grösste Kirchengebäude der Stadt. Er ist dem Patron der Seefahrer, dem heiligen Clemens, geweiht und dient dem Bistum Aarhus als Kathedrale der lutherischen Dänischen Volkskirche.
Die Theaterbodega
Direkt neben dem Dom liegt die Theaterbodega. Durch eine unscheinbare Tür betritt man einen abgedunkelten Raum mit Kerzenlicht. Zwei ältere Herren in grünen Schürzen begrüssen uns und diskutieren, ob ein Platz für uns frei ist. Normalerweise kann man nur mit Voranmeldung hereinkommen. Wir dürfen uns setzen in diesem zeitlosen Raum, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Alle Wände sind mit Fotos berühmter Schauspieler dekoriert.
Heringe und Aquavit
In einer Atmosphäre, die über die Jahre hinweg ihren Charme bewahrt hat, wird uns eine Variation von Heringen mit Beilagen serviert. Dazu bringt uns der Kellner eine Flasche Aquavit. Dieser wird aus einem Neutralalkohol mit etwa 96 Prozent Alkoholgehalt gewonnen, der auf Getreide und Kartoffeln basiert. Nach der Destillation wird er mit Kräutern wie Kümmel, Dill, Fenchel, Koriander, Zimt und Nelken verfeinert. Die anschliessende Reifung erfolgt in Holzfässern oder Edelstahltanks. Aquavit ist auch heute noch bekannt für seine verdauungsfördernde Wirkung, besonders nach einem reichhaltigen Mahl.
Das Tüpfchen auf dem i
Mit den Voi (Elektrorollern) oder der Tram fahren wir zurück zum Hafen und erholen uns bei einem kurzen Mittagsschlaf. Am Abend serviert uns Stephan ein Lachs-Avocado-Tatar zu einem Glas Rosé – ein kulinarisches Finale mit Feuerwerkscharakter.
Kalte Nächte
Seit einigen Tagen sinkt die Nachttemperatur auf 12-14°C. Besonders am Montagmorgen ohne Sonne ist das spürbar. Wir fahren mit Odin entlang des Hafens und werfen einen letzten Blick auf die Skyline. Nachdem wir die Genua und den Besan gesetzt haben, rauschen wir mit bis zu 7,2 Knoten durch die Wellen. Bei moderater ablandiger Welle auf Raumschotkurs halten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 Knoten.
Nach knapp drei Stunden segeln erreichen wir die Insel Tunø. Der Hafen bietet viel Platz, und das Längsmanöver gelingt trotz ablandigem Wind. Wir liegen ruhig, alleine am Steg.
Kleine Inselrundfahrt
Wir mieten drei Fahrräder, um auf der einzigen Strasse die Insel zu erkunden. Leider macht nach zwei Kilometern der Hinterreifen eines Fahrrads schlapp. Stephan rast zurück zum Hafen und holt eine Pumpe. Keine Chance – das Loch ist zu gross. Was nun? Ein älterer Herr mit einem Elektro-Golfwagen bringt das Fahrrad samt Vreni zurück zum Hafen. Am anderen Ende der Insel werden wir mit einem schönen Strand und einem weiten Blick bis Aarhus belohnt. Auf halbem Weg zurück treffen wir Vreni bei einer Erfrischung im Garten eines Wohnhauses. Der Rückweg zum Hafen wird durch Tierbeobachtungen unterbrochen. Ein Reh liegt nahe der Strasse im Gras. Etwas weiter rettet sich ein Fasan, später auch Fasanhühner,




Der Leuchtturm von Tunø
Die Kirche aus dem 15. Jahrhundert befindet sich idyllisch im kleinen Dorf Tunø. Als einzige Kirche Dänemarks vereint der Turm sowohl Funktionen eines Kirchen- als auch eines Leuchtturms. Seit Generationen ist sie ein bedeutendes Wahrzeichen für die Inselbewohner und ein Orientierungspunkt für die Seeleute im Kattegat.
Die Räucherei gibt es nicht mehr
Voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg zur Räucherei. Leider hat der Besitzer gewechselt, und es gibt keinen Rauchlachs mehr. Stattdessen geniessen wir eine Scholle mit Beilagen und lassen uns kulinarisch verwöhnen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit spielen wir bei einem Glas Wein eine Runde Triomino.
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