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Ein kleiner Bildungsausflug nach Dresden

Mittwoch 3. Juni bis Sonntag 7. Juni 2026

Spandau - Dresden - Spandau

Auf dem Weg nach Dresden

Mit dem Taxi erreichen wir am Mittwoch den Bahnhof Spandau. Vor der Abfahrt bummeln wir noch durch das nahe gelegene Einkaufszentrum und fahren anschliessend mit der Regionalbahn zum Berliner Hauptbahnhof.
Den imposanten vierstöckigen Bahnhof erreichen wir im ersten Untergeschoss. Wir haben genügend Zeit, um mit den Rolltreppen bis in die oberste Halle zu fahren. Unser Zug Richtung Prag hat eine Verspätung von 20 Minuten. Über Lautsprecher wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese nicht im Netz der Deutschen Bahn, sondern im Ausland entstanden sei. Na ja.
In Dresden beziehen wir unser Zimmer im siebten Stock des Hotels Newa. In der nahe gelegenen Osteria warten wir auf die restlichen Gäste der AFZO (Architektur-Fachgruppe Zürcher Oberland), die kurz vor 21 Uhr mit dem Bus vom Flughafen eintreffen. Nach dem grossen Hallo sitzen wir noch lange im Stadtgarten zusammen. Langsam wird es kühl.

Der Kulturpalast

Kurz nach dem Frühstück marschieren wir am Donnerstagmorgen zusammen mit den übrigen 26 Mitgliedern der AFZO durch die Häuserschluchten der Einkaufsstrasse zum grossen Platz vor dem Kulturpalast.

Kurz nach dem Frühstück marschieren wir am Donnerstagmorgen zusammen mit den übrigen 26 Mitgliedern der AFZO durch die Häuserschluchten der Einkaufsstrasse zum grossen Platz vor dem Kulturpalast.
Der Palast wurde in den 1960er-Jahren als kulturelles Zentrum der Stadt und des Bezirks Dresden in Form eines quaderförmigen Baukörpers errichtet. Seit 1969 gehörte er zu den wichtigsten Kulturstätten der DDR und blieb als «Kulti» auch nach der Wende ein zentraler Veranstaltungsort der Stadt. Im Jahr 2012 erfolgten die Komplettsanierung und die Neugestaltung.
Der grosse Konzertsaal und die Treppenhäuser sind in leuchtenden Orangetönen gestaltet. Die Haarfarbe der Führerin passt bestens ins Bild. Mehrmals weist sie uns darauf hin, dass wir wegen einer Verspätung von zehn Minuten etwas knapp in der Zeit seien.
Mit dem Videovortrag von Roland Züger werden wir in die Geschichte Dresdens eingeführt. Es gibt so viel zu erzählen, dass wir das Restaurant Dresden 1900 mit deutlicher Verspätung erreichen. In der hintersten Halle, neben einem alten Tram, erwartet uns ein deftiges Mittagessen.

Haus der Kathedrale

Das ehemalige Kanzleihaus befindet sich in der Altstadt, unmittelbar neben dem Stallhof und dem Residenzschloss. Das Gebäude wurde 1997 als einer der ersten Bauten im heute denkmalgeschützten kulturhistorischen Zentrum nach der Wende wiederaufgebaut.
Das Haus der Kathedrale vereint verschiedene Nutzungen unter einem Dach: den Bischofssitz und die Verwaltung des Bistums Dresden-Meissen, Wohnungen und Gästewohnungen sowie Gemeinde- und Jugendräume. Der Innenausbau wurde dezent und mit viel Holz realisiert.

Das Blockhaus

Es gehört zu Dresden wie die Frauenkirche, das Stadtschloss und die Semperoper: Unmittelbar gegenüber der Altstadt erhebt sich der markante quadratische Bau am Elbufer.
Errichtet wurde das Blockhaus ab 1732 als Wachgebäude. Im Zweiten Weltkrieg wurde es weitgehend zerstört und blieb jahrzehntelang eine Ruine. Seit 2024 befindet sich im umgestalteten Gebäude das «Archiv der Avantgarden».
Die Fassaden wurden originalgetreu restauriert, das Gebäudeinnere hingegen vollständig entkernt. Herzstück des Umbaus ist ein scheinbar schwebender, dreigeschossiger Betonkubus. Er beherbergt das Archiv und wird beidseitig durch ein Treppenhaus sowie einen Aufzugskern erschlossen.

Der Tag vergeht wie im Flug. Ein längerer Fussmarsch führt uns ins Wohnzimmer des Restaurants Raskolnikoff. An der Kochinsel mitten im Raum werden feine Speisen zubereitet. Den Zugang über verschlungene und versprayte Strassenzüge und durch einen wild bewachsenen Innenhof hätten wir wohl kaum selbst gefunden.Müde kehren wir nach diesem anstrengenden Tag mit dem Taxi in unser Hotel zurück.

Velotour zu den Elbschlössern

Auf der Nordseite der Elbe folgen wir am Freitagmorgen mit den gemieteten Fahrrädern dem Flussweg. Trotz Regenansage erreicht die lange Kolonne von Velos schliesslich das Lingnerschloss mit seinem Mausoleum trocken.
Das Schloss, ursprünglich Villa Stockhausen genannt, ist das geografisch mittlere der drei Elbschlösser. An zentraler Stelle des ehemaligen Weltkulturerbes Dresdner Elbtal gelegen, bietet seine Terrasse einen imposanten Ausblick auf einen grossen Teil des Areals.Die Aussicht kann man allerdings erst geniessen, nachdem man vom Elbufer durch den Rebberg die über 200 steilen Treppenstufen erklommen hat.

Wir überqueren das «Blaue Wunder», die Loschwitzer Brücke, und lassen uns in der Villa Marie zum Mittagessen nieder. Draussen schüttet es wie aus Kübeln, drinnen im Trockenen geniessen wir ein Bier mit Wiener Schnitzel und Pommes.

Jugendkirche Trinitatis

Für die Weiterfahrt zur nächsten Sehenswürdigkeit ist es wieder trocken. Die Jugendkirche befindet sich in der ehemaligen Trinitatiskirche im Dresdner Stadtteil Johannstadt. Sie wurde 1945 weitgehend zerstört, die Ruine in den 1960er-Jahren gesichert und blieb lange Zeit ohne feste Nutzung.
Der Umbau wurde 2020 realisiert. Seither dient der Bau als Jugendzentrum mit vielfältigen Angeboten für Jugendliche. Prägend für den Entwurf ist der Erhalt der historischen Sandsteinmauern, in die ein eigenständig gestalteter Neubau mit gläsernem Kubus eingefügt wurde.

Palais im Grossen Garten

Auf der Weiterfahrt erwischt uns der Regen auf den Fahrrädern. Wir besichtigen das Palais, das im Zentrum des Grossen Gartens liegt. Die Hauptfassaden orientieren sich zur Stadt und zum Palaisteich und betonen die Mittelachsen der Gartenkomposition. Charakteristisch sind die stark gegliederten Natursteinfassaden.
Das Palais zählt bis heute zu den kunst- und kulturhistorisch bedeutendsten Profanbauten der Stadt und wurde sehr zurückhaltend saniert.
Nach der Rückgabe der Velos setzen wir uns an der Elbe auf eine Terrasse und geniessen ein kühles Bier. Mit einem feinen Nachtessen in der Brasserie Bateau beschliessen wir den anstrengenden Tag. Nach dem Rückmarsch zum Hotel stellen wir fest, dass wir heute 8 Kilometer zu Fuss und 15 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt haben. Dazwischen sind wir 16 Stunden gestanden und haben zugehört.

Die stillgelegte VW-Fabrik

Und wieder gibt es am Samstag einen kleinen Marsch. Durch die Neustadt mit ihren riesigen Mehrfamilienhäusern und Bauruinen erreichen wir bald die Gläserne Manufaktur.

Der Bau besteht aus einem fünfgeschossigen Montagegebäude mit unterirdischer Probefahrbahn, einem hohen Glaszylinder für die Fertigfahrzeuge sowie mehreren Nebengebäuden. Die Produktionsstrasse verläuft sichtbar entlang der Strassenfassade; das Karossenlager bildet ein Schaufenster zur Stadt, der Glaszylinder ein vertikales Depot im Grünraum.
Die kompetente Führerin erzählt uns die Geschichte des hochmodernen VW-Werks. Von der Karosserie bis zum fertigen Fahrzeug erhalten wir ausführliche und spannende Einblicke in die Entstehung und das Innenleben eines Automobils.
Der Haken an der Geschichte: Seit Jahren werden im mehrgeschossigen Glaspalast keine Fahrzeuge mehr hergestellt. Die Produktion wurde nach Spanien und Portugal verlegt.

VW sei der einzige Fahrzeughersteller, der im Ersatzteilkatalog eine Ersatzteilnummer für die Currywurst führe, wird uns bei der Besichtigung erklärt. Natürlich müssen wir dieses «Ersatzteil» über Mittag gleich ausprobieren.
Das riesige Produktionsgebäude in modernstem Look steht glänzend im Palaispark und schläft vor sich hin.

Die Semperoper

Über die Einkaufsmeile kehren wir zum Hotel zurück, um die Kleider für den festlichen Abend zu wechseln. Anschliessend besichtigen wir die Semperoper.
Das Opernhaus der Sächsischen Staatsoper Dresden liegt am Theaterplatz im historischen Stadtkern nahe der Elbe. Bauherr war König Johann, der den Neubau nach dem Brand des ersten Hoftheaters im Jahr 1869 in Auftrag gab.
Die Oper wurde im Februar 1945 bei den Luftangriffen auf Dresden schwer zerstört und blieb jahrzehntelang eine Ruine. Von 1977 bis 1985 erfolgte der Wiederaufbau.
Die Fassade aus Sandstein zeigt eine reiche historistische Gliederung mit Rundbogenarkaden, Kolossalordnung, Skulpturenprogramm und einer Quadriga mit dem Panthergespann von Dionysos und Ariadne auf dem Dach.

Der Florentiner Hut

Nach der Besichtigung nehmen wir im hufeisenförmigen Zuschauerraum Platz. Die reich dekorierte Stuck- und Malereiausstattung sowie ein grosser Kronleuchter prägen die räumliche Wirkung; die berühmte Akustik war ein Leitmotiv der originalgetreuen Rekonstruktion.
Witzig beginnt die Oper: Alle Schauspieler tragen weisse Nachthemden. Die Bühnenausstattung ist vollständig in Schwarz-Weiss gehalten und besteht aus unzähligen Hutschachteln.

«Wie soll ich das machen? Ich werd verrückt!» Just an Fadinards Hochzeitstag frisst sein Pferd den Strohhut einer Dame, die sich mit ihrem Liebhaber im Gebüsch vergnügt. Doch ohne ihren Hut traut sich Anaide nicht zurück zu ihrem eifersüchtigen Ehemann Beaupertuis. Ein neuer Florentiner Hut muss her. Eine abenteuerliche Odyssee beginnt, die Fadinard durch halb Paris führt.
Ebenso temporeich wie die Handlung ist die eingängige und melodiöse Musik von Nino Rota, der vor allem für seine Filmmusiken zu «La Strada», «La Dolce Vita» und «Der Pate» bekannt ist. Nach zwei Stunden Musik und Gesang rasten wir auf dem Heimweg für ein «Herrgöttli» in einem trendigen Lokal.

Siedlung Hellerau

Mit dem Bus machen wir uns am Sonntag auf den Weg zur letzten Besichtigung. Die Gartenstadt Hellerau im Norden Dresdens gilt als erste deutsche Gartenstadt. Träger war eine Baugenossenschaft, die Wohnen, Arbeiten, Kultur und Bildung in einer naturnahen Siedlung verbinden wollte. Die Siedlung folgt englischen Gartenstadtvorbildern mit aufgelockerter Bebauung, kleinteiligen Reihen- und Einzelhäusern, Grünzügen, Plätzen und gemeinschaftlichen Einrichtungen.

Das Festspielhaus Hellerau von 1911 besitzt eine klare, kubische Anlage mit streng gegliederten Baukörpern und hofartiger Erschliessung. Die Architektur gehört zur Reformarchitektur: Einfache Volumen, helle Putzflächen, regelmässige Öffnungen und der Verzicht auf historistische Dekoration betonen Proportion, Licht und Raumwirkung.
Im Inneren war das ursprüngliche Bühnen- und Saalkonzept mit indirekter Beleuchtung, flexibler Raumnutzung und enger Verzahnung von Bühne und Zuschauerraum richtungsweisend für die Moderne.

Zurück zu Odin

Hier verabschieden wir uns von der AFZO-Gruppe und fahren mit dem Tram zurück zum Dresdner Hauptbahnhof. Vor der Weiterfahrt lassen wir uns beim Japaner mit wunderbaren Köstlichkeiten verwöhnen.

Beinahe pünktlich treffen wir nach dem Umstieg im Berliner Hauptbahnhof in Spandau ein. Kaum an Bord begrüssen uns Muck, Mäse und Jürgen.
In der nahen Altersresidenz bestellen wir riesige Flammkuchen. Die Portionen sind allerdings etwas zu gross. Danach kehrt Ruhe auf der Odin ein.

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